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Wenn der Kurs den Bärenmarkt bestätigt

Der Kursverlauf scheint zu bestätigen, was alle fürchten: Wir sind im Bärenmarkt angekommen. Wird sich das nun für die nächsten zwei, drei, vier Jahre so hinziehen, dass die Preise fallen oder fallen? Und hat es auch eine gute Seite, die nicht nur Zwangsoptimisten verstehen? Wir denken, ja.

Für Investoren in Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen begann die Woche ziemlich übel. Schon die vergangene Woche hatte den Kurs auf 35.000 Dollar heruntergebeutelt, also etwas unter 30.000 Euro. Gestern knüppelte der Markt weiter und drückte Bitcoin auf 31.400 Dollar, den tiefsten Punkt seit der Spitze von gut 63.000 Dollar im April.

1-Jahres-Chart bei Bitcoin.de

Das alles sieht jetzt ziemlich eindeutig aus. Rauf geht’s zäh, runter entschieden; die Hochs werden tiefer, und die Tiefs werden tiefer. Klarere Signale für einen Bärenmarkt wird man kaum mehr kriegen. Furcht und Pessimismus regieren, Optimismus gibt’s, wenn überhaupt, nur mit Verzweiflung.

… und in Dollar in der 3-Monats-Sicht bei Coinmarketcap.com

Wer mit Überzeugung hodled, sollte das weiter tun, solange er es sich leisten kann. Aber jeder, der es sich nicht leisten kann, sollte zumindest darüber nachdenken, wie es kurz- oder mittelfristig weiter gehen kann. Vielleicht ist ein Verkauf jetzt schmerzhaft, aber in einigen Wochen oder Monaten noch schmerzhafter?

Die große und positive Verschiebung

Auf den Kryptomärkten findet derzeit eine massive Verschiebung statt, die man nicht leichtfertig abtun sollte. Das Ende des Minings in Sichuan markiert das Ende von Krypto in China. Der vielleicht mächtigste, definitiv aber in seiner harmonischen Tyrannei kompetenteste Staat der Welt beschlossen hat, Bitcoin auf seinem Territorium auszurotten.

Keine Bören, keine ICOs, kein P2P-, kein OTC-Handel, keine Banken, keine Akzeptanz, kein Mining. Nichts. Ein riesiger, investitionsfreudiger und in Spekulation verliebter Markt, der Bitcoin seit 2013 antreibt, scheidet aus.

Es wird sicherlich weiter Schlupflöcher geben. In der chinesischen Diaspora weltweit sind Kryptowährungen bereits weithin verbreitet, und das wird auch aufs Festland schwappen. Aber es wird nicht mehr sein, wie es war. Und das drückt den Markt. So unschön es ist – die Altcoins, Shitcoins, Kloncoins, ICO, zwielichten Token und nackten Ponzispiele, nach denen China so hungrig ist – all das schuf auch eine Nachfrage nach Bitcoin.

Was wird, was kann sie füllen? Lateinamerikanische Staaten, die Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel machen? Nordamerikanische Unternehmen, die Bitcoins in ihre Bilanzen aufnehmen? Aus Afrika stammende Gastarbeiter, die Geld zu ihren Familien nach Hause schicken? All das ist natürlich besser, wertvoller und unbedenklicher als chinesische Ponzis. So wie texanische Windkraft und paraguayanische Hydroenergie besser sind als chinesische Kohlekraft.

An sich sieht alles gut aus. Bitcoin treibt sinnvollere Anwendungen. Lightning wird langsam, und die fürs Mining verbrannte Energie wird immer erneuerbarer. Aber man sollte sich keine Illusionen machen. China hinterlässt eine große Lücke. Die chinesische Mittel- und Oberschicht ist breit, aufstrebend, hungrig, spekulationswütig und finanzstark genug, um sowohl zu investieren als auch zu halten. Gibt es ein vergleichbares Publikum in Lateinamerika?

Auf dem breiteren Markt darf – oder muss! – noch ziemlich viel absterben. Es gibt weiterhin 64 Einhörner – Kryptowährungen oder Token mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar. Diesen Status verdienten bestenfalls zehn davon, wenn man nach einer echten ökonomischen Grundlage fragen würde. Solange nicht noch Dutzende Einhörner gestorben sind, wird eine Rückkehr in den Bullenmarkt auf tönernen Füßen stehen.

Immer noch viel zu viele Einhörner auf coinmarketcap.com

Aber Ethereum wird bleiben. Mit DeFi und NFTs hat die zweitgrößte Kryptowährung bewiesen, wie mächtig Smart Contracts sind. Dezentrale Organisationen, sogenannte DAOs, haben sich bewährt, und es hat sich ein vitales, breites Ökosystem gebildet. Das wird erhalten bleiben, und da wird noch sehr viel mehr kommen.

Die Schönheit der Bären – und viele Fragen

Im Bullenmarkt wird gefeiert. Im Bärenmarkt gearbeitet. Der Bullenmarkt schleppt Ballast mit, der Bärenmarkt trennt die Spreu vom Weizen. Er bringt die schöpferische Zerstörung, die ein Markt braucht, um sich selbst zu reinigen.

Wer daher wirklich an Bitcoin interessiert ist, anstatt bloß am Wert seines Portfolios, wird dem Bärenmarkt mit Wonne entgegensehen. Bitcoin und Ethereum stehen sehr viel besser da als Anfang 2018. Die Technik ist gereift, die Akzeptanz breiter, und immer mehr Anwendungen haben in der Wirklichkeit bewiesen, dass sie nützlich sind.

Wie in jedem Bärenmarkt wird das Kapital, das der Bullenmarkt eingespült hat, nun beginnen, zu arbeiten. Es wird mehrere Mühlen geben, die in den kommenden Jahren mahlen werden; Herausforderungen, die die Krypto-Szene erwarten, Bedrohungen, die ihr gefährlich werden können. Ein paar Beispiele:

  • Werden Kryptowährungen weiter im Portfolio von Unternehmen und traditionellen Investoren ankommen? Wird der zarte Trend, dass Banken ihren Kunden auch Bitcoins anbieten fortbestehen und gedeihen?
  • Werden Chinesen weiterhin willens und in der Lage sein, irgendwie in Krypto zu investieren?
  • Wird DeFi auch in einem Bärenmarkt attraktive Renditen erlauben? Durch tokenisierte Bitcoins wie WBTC ist dies längst auch eine für den Bitcoin-Preis wichtige Frage.
  • Wird Bitcoin die Rolle, die er im globalen Remittance zu spielen beginnt, weiter ausbauen? Oder wird der schwindende Wert die Kryptowährung gerade für die Ärmsten des Planeten unattraktiv machen?
  • Werden weitere lateinamerikanische und andere Länder Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel anerkennen? Und werden sie sich vor dem Schaden schützen können, den dies bei für eine lange Zeit fallenden Kursen anrichten kann?
  • Was wird in Russland und Indien passieren? In diesen beiden Ländern steht immer wieder ein Verbot im Raum, das aber immer wieder irgendwie abgewendet wurde. Bisher.
  • Welche Rolle wird die Regulierung durch die FATF-Vorgaben einnehmen? Werden die Travel-Rule und andere Gemeinheiten Kryptowährungen einen großen Schaden anrichten?
  • Wird die Ransomware weiter um sich greifen – und wird dies weitere Verbotsforderungen auslösen?
  • Wird Lightning weiter benutzerfreundlicher werden? Und wird dies Bitcoin wieder als Zahlungsmittel interessant machen?
  • Welche Folge zeitigt eine Umverteilung von den schwachen zu den starken Händen? Wird sich die Reichtumsverteilung im Bitcoin-Universum weiter zentralisieren?
  • Wird der Trend dazu, mit erneuerbaren Energien zu minen, Bestand haben? Und wird das ausreichen, um Kritiker zu besänftigen?
  • Werden die Tether-Dollar die Parität zum Dollar halten können? Und welche Folgen hätte ein Crash der Dollar-Token?

All diese und weitere Fragen werden im Laufe des kommenden Bärenmarktes zu beobachten sein. Die Antworten auf sie werden darüber entscheiden, ob Bitcoin die Chancen, die in jedem Bärenmarkt liegen, beim Schopf ergreift – und ob Krypto den Weg hinaus, in den Bullenmarkt, findet.

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